Auszüge aus Reden, Presseartikeln, Katalogen und aus Büchern über Werner Thiel

Dr. Alexander von Knorre (Städtische Galerie Schloß Strünkede, Herne):

„Durch Relikte, wie sie von Werner Thiel als ausschnitthaft fotografierte Totems wiedergegeben werden, wird die Vielfalt an visuellen Reizen einer Industrielandschaft offensichtlich.“

Andrea Romoli (Mailand) im Katalog von „Il Grupo“:

„Eine ätzende und beißende Ironie, die nicht wie auf den ersten oberflächlichen Blick hin zerstreut und unengagiert ist, prägt die Arbeiten von Werner Thiel. Der Künstler ist von einem Sinn fürs Groteske unwiderstehlich angezogen, der direkt aus der Quelle des Expressionismus stammt. Fast wie ein Odysseus ohne Ithaka wechselt er die unterschiedlichen Ausdrucksformen, indem er je nach Botschaft unterschiedliche Techniken schafft oder aufnimmt.“

Renate Eisenegger (Kunsthallen Schaffhausen):

„Werner Thiel ist ein Mensch, der brennt, der in extremen Gefühlslagen beheimatet ist, sich auch körperlich nicht schont. Mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit wirft er sich auf das jeweilige Vorhaben und geht da hindurch, stundenlang, tagelang, nächtelang… Viel Unruhe ist in ihm. Unmöglich, ihn an einem Ort festzuhalten… eine Art Katzenleben…“

Dietrich Springorum („Magazin R“, Pressechef beim Ruhrsiedlungsverband in Essen):

„Das gilt für jeden Grad der Zerstörung. Noch die rostzerfressenen verkoppelten Rohre mit ihren Schmiernippeln vermitteln den nachhaltigen Eindruck von der ungewollten, ungeplanten Schönheit technischer Zweckformen. Bei Thiel, der sich seit geraumer Zeit auch als Plastiker versucht, werden die Rudimente der untergehenden Zeugnisse der Maschinenwelt simpler Stufe (industrielle Revolution), die Fundsachen von Schrottplätzen und gigantischen Abbruch-Opern… so erstaunlich zusammengefügt, dass Artefakte entstehen, die an Fetische und Tabus erinnern. Ein Kreis schließt sich so.“

In der Zeitschrift „Die Waage“ (Sofia/Bulgarien) heißt es über W. Thiel:

„Thiel ist kein selbstzufriedener „Messianer“. Nicht einer von den großen Löwen, sondern ein Künstler mit ehrlichem und kritischem Blick, der kompromisslos das Gute wie das Böse sucht und entdeckt, unabhängig davon, wo er sich gerade befindet. Er entdeckt das Interessante und Wahre auch dort, wo unser Auge nur das Alltägliche sieht.“

Jörg Loskill (Essen) in seiner Einführung einer Ausstellung in Recklinghausen:

„Thiel schafft überzeitliche Werte, die er jedoch an Zeitzeugen festmacht. Er hat den Blick für das Besondere wie auch für das Banale, jeweils betont er aber einen ästhetischen Aspekt. Seine Fotografien, seine Installationen, seine Zeichnungen, seine Skulpturen: Alle wachsen aus einem tiefen humanistischen Aspekt als philosophisches Fundament heraus… Er ist ein künstlerischer und kreativer Brückenbauer – quer durch die Sparten und Motive. Er schuf neben seinem regionalen Bezug aber auch Verbindungen zu allgemeinen Menschenthemen, frei von konventionellen Grenzen oder ideologischen Begrenzungen.“

Anneliese Knorr im Katalog zu einer Ausstellungstournee durch fünf NRW-Städte:

„Noch deutlicher zeichnet sich der Ahnenkult einer überholten Technik in Thiels gestalteten Objekten aus Fundstücken ab. Einige empfehlen sich als fertige Plastiken. Andere warten auf den Eingriff beziehungsweise die Zusammenstellung von Grundformen, die er zusammenschweißt. Damit verbunden ist eine Metamorphose der gefundenen Objekte, die der Künstler mit Fantasie und hintergründigem Witz ausspielt. .. Offenbar gehört er zu den wenigen Auserwählten, die genügend Kraft und Geduld haben, den Erfolg eines Tages herbeizuzwingen.“

Blaga Dimitrova, bulgarische Lyrikerin und Politikerin, über das fotografische Schaffen Werner Thiels beim Umbruch in ihrer Heimatstadt Sofia:

„Werner Thiel ist genau zur rechten Zeit zu uns gekommen. Er schenkt den Menschen in unserem Land durch seine authentischen Bilder die Hoffnung auf einen neuen, großen und wichtigen Anfang. Die Bilder Thiels greifen eine bewegende, sogar mitreißende Unruhe in unserem Land, in unseren Städten auf. Seine Fotografien über den Beginn einer demokratischen Entwicklung in Bulgarien sprechen mit viel Sehnsucht für sich.“

Peter Buchwald, Fotograf, Atelierinhaber in der Künstlerzeche „Unser Fritz“:

„Diese Totems des Industriezeitalters sind zugleich Anschauungsunterricht für spätere Generationen, die den Bergbau im Ruhrgebiet nicht mehr kennengelernt haben, wie auch Dokumentation für die Heutigen, die erst begreifen müssen, wie funktional Architektur und Design des Bergbaus waren – und wie Künstler diese Funktionalität herausgestellt haben.“

Prof. Dr. Ferdinand Ullrich (Kunsthalle Recklinghausen) zur Einweihung der „Sammlung W. Thiel“ in Gelsenkirchen auf Consolidation:

„Ein großer, weit über seine Zeit hinausweisender Künstler, der die Kraft und den Charme dieser Region in seinem Schaffen immer wieder von neuem entdeckt und gefördert hat. Er hat den Bergbau nach dessen Ende in eine eigene Sprache transformiert.“

Jörg Loskill, Kulturjournalist und Autor, im Vorwort seiner Monografie über Werner Thiel:

„Kunst im Revier beinhaltet Reibung und Nachdenklichkeit, Lust und Frust, Antrieb und Provokation. Werner Thiel zählt zu den Pionieren der Kunst zwischen Duisburg und Dortmund, die all diese Elemente in einer eigenen, individuellen Sprache in Bild und Form bündelten. Ihm müsste eigentlich ein eigenes repräsentatives Museum im Ruhrgebiet gebaut werden – als Dank und Erinnerung.“

Dr. Ingo Westen, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Gelsenkirchen, bei der Präsentation des Buches „Zeitzeugen – Das andere Revier“:

„Die Archäologie des Ruhrgebietes hat erst begonnen. Da werden wir noch viel über uns und unser Verständnis von Umwelt und Mensch erfahren. Zu den Künstlern, die entscheidend an dieser Auf- und Bearbeitung mitwirken, gehört seit vielen Jahren der Gelsenkirchener Fotograf, Grafiker und Objekte-Inszenator Werner Thiel vom Atelierhaus Bergmannsglück.“

Karl Kleineberg, zunächst Chef-Markscheider der Ruhrkohle AG, später Direktor der Industriekultur Saar GmbH:

„Werner Thiel hat mit seinen Bildern einen neuen Zugang zu den profanen Zeugnissen des Industriezeitalters ermöglicht. Er hat ,die Kultur’ in ihnen gesehen und deshalb ist Werner Thiel für mich einer der Väter dessen, was häufig als ,Industriekultur’ bezeichnet wird, selten aber die Ernsthaftigkeit Werner Thiels erreicht und in Unkenntnis des wahren Charakters zur ,Eventkultur’ degradiert hat. Das Produkt dieser Kreativität ist das unwiederholbare Bild, eine Kreativität und Kunstform des Augenblicks… bar jeder Sozialromantik.“